Rudolf Borchardt

Mit den Schuhen

Was man will, kann man nicht geben,
und man gibt nur, was man muss,
also gibt man einen Kuss
und man gäbe gern das Leben.

Also gibt man einen Strauß
statt des Gartens um ein Haus,
gibt das Buch als den Entgelt
für die Weisheit aller Welt,

drängt den Ring an einen Finger,
schlingt die Kette um den Hals, -
alles nur ein wie geringer
Abschlag auf die Schuld des Alls!

Jenes Alls, in dem man ist,
Wenn man eine liebt -
wer der Gabe Sinn vergisst,
was hat er, was er gibt?

Alle Gabe ist nur Sinn
und Bild in einer Hülle.
Seit ich fühle alle Fülle,
weiß ich erst, wie arm ich bin!

Mach mich du, geliebtes Kind
zum reichsten von den Leuten!
Sieh nicht an, was Gaben sind
nur an, was sie bedeuten!

Für das ganze Feld die Ähre,
für den Himmel nimm den Stern,
und mich selbst für was ich gern
um Deinetwillen wäre!

Diese Hände mit den Schuhn -
fühle, was sie nur vertreten,
sieh nicht, was sie eben tun,
nur was sie lieber täten!

Nimm sie so, wie ich sie sende
denn sie meinen, Süße -
lieber legt' ich beide Hände
unter deine Füße!

Zwar sie stehn für keine Gabe
- dennoch sei das Spiel verziehn!
Alles ist ja nur geliehn,
solang ich dich nicht habe.