Robert Eduard Prutz

Die neue freie Zeit

Nun freuet euch, ihr Frommen,
nun ist der Tag gekommen,
den ihr so lange erharrt:
Durch Beten und durch Glauben,
nun wird man rückwärts schrauben
die schnöde Gegenwart.

Trotz Widerspruch und Schnarchen,
die Zeit der Patriarchen,
schon kehrt sie uns zurück:
Modern sind wir gewesen,
nun werden wir Chinesen -
Chinesen, welch ein Glück!

O China, Reich der Sitte,
Reich der gerechten Mitte,
du Reich der Majestät:
Wo niemand braucht zu sorgen,
wo alles heut wie morgen,
in ew'gen Gleisen geht!

Dein Beispiel soll uns lehren,
zur Einfalt zu bekehren
das sündige Geschlecht:
Nun scheren wir die Köpfe,
nun salben wir die Zöpfe,
der dickste Zopf hat recht!

Nun müßt ihr schweigend sitzen
und auf die Nasenspitzen
in stiller Andacht sehn:
So wird die Menge preisend
und mit dem Finger weisend
euch demutvoll umstehn.

Nun gegen Strauß und Bauer,
nun baut man eine Mauer
rings um das Reich herum:
drauf stehn mit stolzen Mienen
die Herren Mandarinen
und nicken und - sind stumm.

Das Schreiben und das Sprechen
das gilt nun als Verbrechen,
denn nur der Kaiser spricht!
Nun, mächtiger und weiser
als unser Herr, der Kaiser,
ist selbst der Herrgott nicht.

Und will das Fleisch sich regen,
und fragen wir, weswegen?
O dann dem Kaiser Preis:
Dann kriegen wir als Kinder,
bald stärker, bald gelinder,
die Rute auf den Steiß.

So bilden wir mit Ehren
als ob wir's selber wären,
den Mittelpunkt der Welt!
Was schert in unsrer Glorie,
was schert uns die Historie,
wenn's nur zusammenhält?

Drum immer frisch geschoben,
gehoben und geschroben,
nach China frisch herum!
Doch wollt ihr's recht vollenden,
o dann mit gnäd'gen Händen,
o gebt uns Opium!