Oskar Loerke

Garten

Besänftigender Winde Schritte
Sind in der Hecke auf der Wacht,
Von Laurin, Herrn der Jahresmitte
Und Herrn der Rosen, angefacht.

Es ist, sie fegen aus dem Garten,
Mit sommerheiterer Geduld,
Was weither weht: soviel des Harten,
Soviel der Qual, soviel der Schuld.

Soviel der Unschuld nährt im Engen
Das Feuer, menschenunerweckt;
Es kann davon die Hand versengen,
Was eine halbe Hand bedeckt.

Verwunschen stille Selbstgefühle,
Kokardenblume, Bärenklau.
Verschollner Gram und Ahnungskühle
Lavendelruch, Lavendelblau.

Gedanken viel im Eingedanken,
An Balsamquellen Schar bei Schar,
So spielen Sterne, Glocken, Ranken
Nach außen, was geist-innen war.

Entblättern Rosen mit dem Tage,
So scheinen sie alther zu schnein
Zu ihres bösen Königs Klage
Aus spitzem Dolomitgestein.