Marie von Najmájer

Sappho

Ist's auch nur dein Name allein, der glorreich
Weithin durch Jahrtausende herrlich leuchtet,
Mit der Menschheit schaffenden Geistes-Helden
Ewig verbunden,

Hat das immergrüne Gerank der Sage
Auch so reich umschlungen dein Erdendasein,
Daß des Antheils forschender Blick es niemals
Könnte durchdringen -

Dennoch sei begeistert und freudig dankbar
Hoch gepriesen, du, deren edle Stirne
Schmückt der einz'ge Kranz, der uns hebt zu Göttern,
Jener des Genius!

Ja - du schufst das Lied! an die ersten Töne
Feurig - zart, da inneres Leben kündet
Auf des Wohllauts Schwingen die gold'ne Lyra -
Knüpft sich dein Name!

Ja, du schufst allein aus dir selbst, O Sappho!
Während tief barbarische, dumpfe Erdnacht
Später viel Jahrhunderte lang so trostlos
Hüllte die Menschheit,

Daß das unterjochte Geschlecht der Frauen
Kaum begriff, wie schmälich es drückt die Kette,
Während jetzt, da lange schon rings es Tag ward,
Tausende nimmer

Das Geschlecht zu trennen gelernt vom Geiste -
Strahlt aus fernsten Zeiten dein Name siegreich
Uns entgegen, hehr wie das ew'ge Sternlicht -
Sei uns gepriesen!