John Henry Mackay

Worte

Worte, die das Ohr, das sie hörte, nie vergißt,
Worte, deren Klang allein schon wie Verheißung ist,
Worte, voll von Liebe, schwer an Zärtlichkeit,
Wie sie ihrem Abgott Liebe in verschwiegener Stunde weiht -

In den Becher deiner Jugend goß das Glück sie ein,
Und du trankst, und wurdest trunken, trunken wie von altem Wein!
Worte, einmal nur gesprochen, doch gebunden schon -
Stürme, Lebensstürme brausten, und verschlangen ihren Ton -
Worte, schwer an Liebe, arm an Sinn,
Die gleich Eintagsfaltern spielen über blaue Blumen hin:
Haben sie wie Nichts beseligt dich einmal,
Als du auf die Höhen stiegest aus des Lebens dumpfem Tal...

Worte, hundertmal gehört schon, Worte, wirr und bunt -
Aber so sprach sie allein nur der geliebte, schöne Mund,
Die zu hören immer wieder nie dein Ohr verdroß,
Bis dein Kuß als Antwort schweigend die ergebne Lippe schloß...

Worte, wesenlose Worte - niemals wurden sie Gestalt.
Aber unermeßlich wurden sie in ihres Seins Gewalt:
Wurden Leben, kommen wieder, und ihr Leben heischt Gewähr,
Legen auf dein Herz sich mählich wie lebendige Sehnsucht schwer...
Und nun foltert dich die Stimme, die der Wind verschlang -
Immer hörst du ihren Tonfall, immer wieder ihren Klang...

Worte, voll von Liebe, und an Güte schwer:
Wie die Bettler gehn sie flehend neben deinem Wege her...
Unverscheuchbar... Tot die Stimme, die sie sprach,
Doch du wirst sie hören noch an deines Lebens letztem Tag.