Hans Schiebelhuth

Rokokoesk

Cupido, Freund Fährtefinder,
Fröhlichstes der Götterkinder,
Feinster Finder, schlauster Winder,
Quälgeist arger, ungelinder,
Komm geschwinder,
Mutterwitzig Bübchen du,
Säume nicht, so weitvertummelt -
Tags verschäckert, nachts verträumt,
Lässt du doch sonst mir nicht Ruh.
Komm geschwinder, komm geschwinder,
Komm geschwinder auf mich zu!

Ha! Die Lockung hat gezogen,
Schon bist du hereingeflogen,
Süßes Wichtchen, muntres Ding,
Ich erhasch dich, ich fass dich,
Du entschlüpfst nicht, du entwischst nicht,
Übermütger Schmetterling!

Ha! Schon hab ich dich am Kragen,
Gut hab ich dich abgepasst,
Nun wirst du am Ohr gefasst.
Kerlchen, sollst mir manches sagen,
Meiner Seele
Nichts verhehlen, treu berichten,
Nichts von putzigen Geschichten,
Schlingel, Bengel, Queruläntchen,
Du Hans-Dampf in allen Gassen,
Könnt ich mich auf dich verlassen.
Leichtsinnsfäntchen
Voll graziöser Clownerie,
Ungezogner,
Viel Verlogner,
Spielverbogner,
Reine Wahrheit sagst du nie.
Stets betrügst du mich ein Quäntchen,
Stets hast du die List am Händchen
Schlitzohr, du der ohne Heil,
Ungerührt,
Als wär's sein Teil,
Teils die Leut am Narrenseil,
Teils an ihrer Nas rumführt.

Ha, nun hab ich dich am Kragen,
Her mit dir, setz dich aufs Knie.
Heute, Bürschchen, will ich Klarheit,
Reine unverpanschte Wahrheit.
Heute wird da nichts geräkelt,
Nichts gefockelt, nichts gehauckelt,
Nichts geschaukelt, nichts gegaukelt,
Nicht ein Träumchen ausgehäkelt.
Nein, mit ernstem Angesicht,
So, als ging es um dein Leben,
Sitzt du mir zum Strafgericht.
Knirps, vor dem die Götter beben.

Gehst du sonst mit deiner Goschen
Gern in schlickernden Galoschen,
Fälschst gar und beschönigst viel,
Spitzbub! Heute hilft kein Spiel.
Trügst du süßer kleiner Flaps,
Wir dir stracks der Sitz verdroschen,
Klaps für Klaps
Schimmert es auch rosenhold,
Wehr dich, denn es geht im Nu,
Und ich bin kein Edelbold.

So, nun bist du ausgescholten,
All dein Schalk sei nun vergolten.
Doch halt still und höre zu.
Noch ist nicht mein Zorn erloschen,
Ruhig, Freund, drum, ohne Scherz,
Höre zu,
Mutterwitzig Bübchen du.

Sagst du wahr und bist gefällig,
Zeig ich auch mich dann gesellig,
Hätschelt, tätschelt dich mein Herz.
Hat das Schicksal eine Wiege
Vor des Frühlings Tür gestellt,
Dass das Kindchen lieblich liege
Und als ersten Gruß der Welt
Sonne, süße Sonne kriege,

Dass das Kindchen in der Stelle
Gleich den jungen Gott erblickt,
Der von schon verklärter Schwelle,
Herr des Lichts, der Herzenshelle,
Welt zu walten sich beschickt

Und mit Jubelruf die Gegend
Weckend leicht im Tänzerschritt,
Winterwolkenwust zerfegend,
Blustbewegend, lusterregend,
Sieghaft in sein Zeichen tritt,

Der, sobald sein Aug das kleine
Zarte Menschenwesen schaut,
Lächelnd weiß, dass dies vermeine,
Dass der Sternbeschluss, der reine,
Ihm ein Pflegekind vertraut.

Und im Nu ist es ihm teuer,
Reich bedenkt er es mit treuer
Sorge wachbewusstem Walten,
Leiht das flüssig-goldne Feuer
Seines Geists zum Ich-entfalten.

Und als Ammen zum Geschäfte
Heischt er stille Heiterkeit,
Fleißig-feine Aufbaukräfte,
Dienlich-reine Wachstumskräfte,
Dass das Kleine wohlgedeiht.