Gertrud Kolmar

Ende

Wenn ich ernstlich traurig bin,
kann ich keinen Vers mehr schreiben;
Ich sitze schweigend im Kahn
Und laß mich stromabwärts treiben.
Ich werde kein Ruder finden,
Ich werde kein Steuer brauchen;
Wenn meine Liebe, mein Leid es will,
Mag ich kentern und tauchen.

Wenn ich ganz verzweifelt bin,
Kann ich nicht bemessend klügeln;
Mein Schrei ist Schrill und gehetzt ?
Soll ich ihn greifen und zügeln?
Nie werden zerlumpte Gedanken mehr
Glatte, glänzende Zeilen;
Mein Herz ist ein blutiger Klump,
Da kann ich nichts formen noch feilen.

Der Tiefste Gram kennt keinen Reim,
Lässt sich nicht in Büchern sammeln;
Er ist im wilden Land daheim,
Wo kindliche Laute noch stammeln;
Find ich ihn in mir, so find ich auch
Gold
Einen Leuchter zu schmieden;
Ich will ihn zünden und schlafen gehen
In Frieden.