Friedrich Hölderlin

Wenn aus dem Himmel

Wenn aus dem Himmel hellere Wonne sich
    Herabgießt, eine Freude den Menschen kommt,
        Dass sie sich wundern über manches
            Sichtbares, Höheres, Angenehmes:

Wie tönet lieblich heilger Gesang dazu!
    Wie lacht das Herz in Liedern die Wahrheit an,
        Dass Freudigkeit an einem Bildnis -
            Über dem Stege beginnen Schafe

Den Zug, der fast in dämmernde Wälder geht.
    Die Wiesen aber, welche mit lautrem Grün
        Bedeckt sind, sind wie jene Heide,
            Welche gewöhnlicher Weise nah ist

Dem dunkeln Walde. Da, auf den Wiesen auch
    Verweilen diese Schafe. Die Gipfel, die
        Umher sind, nackte Höhen sind mit
            Eichen bedecket und seltnen Tannen.

Da, wo des Stromes regsame Wellen sind,
    Dass einer, der vorüber des Weges kommt,
        Froh hinschaut, da erhebt der Berge
            Sanfte Gestalt und der Weinberg hoch sich.

Zwar gehn die Treppen unter den Reben hoch
    Herunter, wo der Obstbaum blühend darüber steht
        Und Duft an wilden Hecken weilet,
            Wo die verborgenen Veilchen sprossen;

Gewässer aber rieseln herab, und sanft
    Ist hörbar dort ein Rauschen den ganzen Tag;
        Die Orte aber in der Gegend
            Ruhen und schweigen den Nachmittag durch.