Friedrich Gottlieb Klopstock

Aganippe und Phiala

Wie der Rhein im höheren Thal fern herkomt,
Rauschend, als käm Wald und Felsen mit ihm,
Hochwogig erhebt sich sein Strom,
Wie das Weltmeer die Gestade

Mit gehobner Woge bestürmt! Als donnr' er,
Rauschet der Strom, schäumt, fliegt, stürzt sich herab
Ins Blumengefild', und im Fall
Wird er Silber, das emporstäubt.

So ertönt, so strömt der Gesang; Thuiskon,
Deines Geschlechts. Tief lags, Vater, und lang
In säumendem Schlaf, unerweckt
Von dem Aufschwung und dem Tonfall

Des Apollo, wenn, der Hellänen Dichter,
Phöbus Apoll Lorbern, und dem Eurot
Gesänge des höheren Flugs
In dem Lautmaass der Natur sang,

Und den Hain sie lehrt', und den Strom. Weitrauschend
Halltest du's ihm, Strom, nach, Lorber, und du
Gelinde mit lispelndem Wehn,
Wie der Nachhall des Eurotas.

Und Thuiskons Enkel entsprang tiefträumend,
Eiserner Schlaf, dir nicht, eiserner Schlaf!
Dir nicht; und erhabner erscholl
Von den Palmen um Phiala

Doch ihm auch Prophetengesang! Kaum stammelnd
Hört' er ihn schon! Früh sang, selber entflamt,
Die Mutter dem Knaben ihn vor,
Und dem Jüngling, dass er staunte!

Mit dem Schilfmeer braust' er! entscholl Garizim,
Donnert' am Bach Kison, tönt' auf der Höh
Moria, dass laut von dem Psalm
Vom Hosanna sie erbebte!

An dem Rebenhügel, ergoss die Klage
Sulamiths sich; Wehmuth, über dem Graun
Des Tempels in Trümmern, der Stadt
In der Hülle des Entsetzens!