Catharina Regina von Greiffenberg

GOtt-Lobendes Frülings Lied

Angenehme Frülings Zeit
Ebenbild der Ewigkeit
Spiegel künfftig-süsser Wonne
wie die klare See der Sonne!
Königin der Jahres-theile
schon-gekrönt mit Blumen Zier!
meine Feder setzt ihr für
dich zu rühmen in der Eile.

GOttes süsser Athem-Tufft
blies' aus / deiner Bisen-Lufft
erste Tochter seiner Witze
seines schönen Wesens Blitze
all-verneutes Erden-Leben!
Fünklein seiner Lieblichkeit
die er dorten uns bereit!
Lufft / in der die Freuden schweben!

Blumen-Adler / Noha-Taub!
du bringst uns Erlaubnus-Laub
in die Neue Welt zu gehen.
Fönix / der nun zu erstehen
aus des Winters Asche pfleget!
überschwänglich-süsse Lust!
alles Uberflusses Brust
welche Milch und Nectar heget!

Tugend-Freundin / Weißheit-Ruh
Musen-Schwester! laß mir zu
meine ungestimmte Leyren
die schon lange Zeit must feyren
dich erhebend' anzustimmen
und ein Liedlein dir zu Preiß:
zwar auff meine Bauren Weiß
die nicht Sternen-an kan klimmen

Safft aus GOttes Allmacht-qvell
strahle seiner Wunder-Seel
Krafft der unergründten Kräffte
schönstes Himmel-Lauffs geschäffte
Haupt-Ergetzung aller Sachen!
du bleibst von mir unerreicht
keine Macht noch Pracht dir gleicht.
kurz! du bist des höchsten Lachen.

Ich verlieb mich zwar in dich:
doch seh ich noch übersich.
Bist zwar schön: doch nur ein Schatten
künfftig-heller Wunder-Thaten.
Dorthin / die Gedanken fanken
richten ihre Flügelfahrt.
Doch / in dem ich der erwart
will ich GOtt für diese danken.