Catharina Regina von Greiffenberg

Bey Ansehung der Sternen

O Ihr Sterne / O ihr Strahlen
die ihr an dem Himmel leucht
wann die Sonne von uns weicht!
wie beliebt ihr mir vor allen!
es ist meiner Augen Liecht
schnurstracks gegen euch gericht.

Euer Blitzen / euer Glitzen
eure Hochheit liebt mir wol:
daß mein Geist verlangens voll
wünschet neben euch zu sitzen.
Daß ich nicht mehr Irdisch wär
nicht aus Hoffart / ichs begehr.

Ihr vollzieht des Höchsten heissen
in gehorsams höchstem Grad:
bleibt in seiner Ordnung Pfad
mit dem Einfluß / Lauff / und gleissen.
eures Thun und Lassens Ziel
ist / vollbringen was GOtt will.

Könt solch heiliges Beginnen
auch in mir ereigen sich!
daß ich würkte stätiglich
wie ihr auf den Himmels Zinnen
was mein GOtt erheischt von mir:
wolt ich mich noch dulden hier.

Nur die Ketten / nur die Bande
nur der Sünden-Strick beschwer
machen wünschen / daß ich wär
Engel-rein in GOttes Hande
ganz befreyt der Eitelkeit:
nicht das Elend dieser Zeit.

Zagen / ist bey feigen Herzen;
nur die Kleinmuht wünscht den Tod:
Dapfferkeit kan alle Noht
tragen / sonder Klag und Schmerzen,
Nur / der Sünden Todt zu sehn
wünsch' ich in den Tod zu gehn.