August von Kotzebue

Gesellschaftslied

Es kann ja nicht immer so bleiben
Hier unter dem wechselnden Mond;
Es blüht eine Zeit und verwelket,
Was mit uns die Erde bewohnt.

Es haben viel fröhliche Menschen
Lang vor uns gelebt und gelacht;
Den Ruhenden unter dem Rasen
Sei fröhlich dies Gläschen gebracht!

Es werden viel fröhliche Menschen
Lang nach uns des Lebens sich freun,
Uns Ruhenden unter dem Rasen
Den Becher der Fröhlichkeit weihn.

Wir sitzen so traulich beisammen
Wir haben einander so lieb,
Erheitern einander das Leben;
Ach, wenn es doch immer so blieb'!

Doch weil es nicht immer so bleibet,
So haltet die Freunde recht fest;
Wer weiß denn, wie bald uns zerstreuet
Das Schicksal nach Ost und nach West!

Und sind wir auch fern von einander,
So bleiben die Herzen doch nah!
Und Alle, ja Alle wird's freuen,
Wenn Einem was Gutes geschah.

Und kommen wir wieder zusammen,
Auf weise verhüllter Bahn,
So knüpfen ans fröhliche Ende
Den fröhlichen Anfang wir an!