Verlegerischer Opfersinn
Ich verstehe sie gut. Ich habe mich mein Leben lang gegen Geburtstagsgeschenke gewehrt.
Kann es sein, dass deutsche Buch- und Zeitungsverlage, jeweils auf ihre Art, dabei sind, sich ins Off zu recken? Für schier alle Publikationen das zu erreichen, was Lyrik schon hat: ein gutes Versteck? Raus aus Google Books, die einen, rein in den Leistungsschutz, die anderen. Was verlören sie? Ihre besten Autoren, die spielen nicht bloß, die wollen Geld, die wollen entscheiden, die wollen Leser. Wo sollten die hin? Fallen neue, findigere Verleger vom Himmel? Wenn nicht, ziehen sie selbst ins Internet.
So leisteten Medienzaren, ihre Claque und Sekundanten Bedeutendes: Deutschland würde Land der digitalen Literatur, der offenen Forschung, der freien Künste, der Transparenz und Partizipation. Jede Fortschrittlichkeit ihrer Institutionen wäre den publizierenden Branchen zum Hemmschuh geworden. Nun gehen die Kaufleute unter in ihren Siegen – und machen den Weg frei! Für eine Kultur mit allen. Dank Print-Nirwana ins digitale Dorado. In Deutschland, wer hätte das gedacht?
Vielleicht Herr Gutenberg. Die Presse anwerfen, sich einloggen. Vielleicht Herr Luther – Gottes Wort verknappen? Nur die schrillen Gesetze, die bleiben, Roboter, die ohne Menschen weiter kämpfen, fördern lustige Pfade, sich zu begegnen, zu sprechen und zu verstehen – ein Untergrund als legitime Kultur. Vielleicht. (Auf Weltniveau siegen die Patente.)
